Dauerhafte Sommerzeit oder Winterzeit: Was das Ende der Zeitumstellung für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Ihrer Stadt bedeuten würde

Mia Chow · · Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Zweimal im Jahr werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Uhren umgestellt, und zweimal im Jahr kommt dieselbe Frage auf: Warum hören wir nicht einfach damit auf? Das Problem ist, dass „nicht mehr umstellen“ zwei sehr verschiedene Dinge bedeuten kann. Wir könnten das ganze Jahr Sommerzeit haben, also die Sommeruhr auch im Winter, oder das ganze Jahr Winterzeit, die offiziell Normalzeit heißt und der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) entspricht. Der Sonne ist es egal, wofür wir uns entscheiden, Ihren Morgen und Ihren Abend aber nicht.

Kurz gesagt: Mit dauerhafter Sommerzeit ginge die Sonne im Winter eine Stunde später auf und unter, mit dauerhafter Winterzeit im Sommer eine Stunde früher. Weil wir Sonnenaufgang und Sonnenuntergang für jeden Ort auf dieser Website berechnen, können wir genau zeigen, was das bei Ihnen bedeuten würde. Geben Sie einen Ort ein und sehen Sie sein ganzes Jahr mit den drei Uhrzeiten: Die durchgezogenen Linien zeigen die heutige Regelung mit den Sprüngen im Frühjahr und im Herbst, die gestrichelten Linien die beiden dauerhaften Möglichkeiten.

Heutige RegelungDauerhafte WinterzeitDauerhafte Sommerzeit

Heutige RegelungImmer WinterzeitImmer Sommerzeit

Die beiden Möglichkeiten

Das ganze Jahr Sommerzeit heißt, dass die Sommeruhr auch im Winter gilt. Winterabende hätten nach Arbeit und Schule eine Stunde länger Licht, Wintermorgen wären eine Stunde länger dunkel. Im Westen der Zeitzone, etwa in Aachen oder Köln, ginge die Sonne Anfang Januar erst gegen 9:35 Uhr auf.

Das ganze Jahr Winterzeit heißt, dass die Normalzeit auch im Sommer gilt. Sommermorgen würden eine Stunde früher hell, in Berlin und Hamburg ginge die Sonne im Juni schon vor 4 Uhr auf, und die Sommerabende verlören eine Stunde: Aus einem Sonnenuntergang um 21:54 Uhr Ende Juni in Hamburg würde einer um 20:54 Uhr.

Keine der beiden Möglichkeiten bringt mehr Tageslicht. Der Tag ist in beiden Fällen gleich lang, es ändert sich nur die Uhrzeit, zu der die Sonne auf- und untergeht. Dauerhafte Sommerzeit verschiebt eine Stunde Licht vom Wintermorgen auf den Winterabend, dauerhafte Winterzeit eine Stunde Licht vom Sommerabend auf den Sommermorgen.

Was das in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeuten würde

Jede Möglichkeit hat einen Preis und einen Nutzen, und beide fallen in dieselbe Jahreszeit. Hier sind die Extremwerte von 2026 in acht Städten, von Aachen im Westen bis Wien im Osten, jeweils mit Datum, nach heutiger Regelung und mit dauerhafter Uhrzeit.

Das ganze Jahr Sommerzeit: der Winter

StadtSpätester Sonnenaufgang des JahresFrühester Sonnenuntergang des Jahres
HeuteDauerhafte SommerzeitHeuteDauerhafte Sommerzeit
Aachen08:38Jan. 109:38Jan. 116:30Dez. 1117:30Dez. 11
Köln08:35Jan. 109:35Jan. 116:26Dez. 1217:26Dez. 12
Frankfurt am Main08:24Jan. 109:24Jan. 116:23Dez. 1117:23Dez. 11
Zürich08:13Jan. 109:13Jan. 116:35Dez. 1017:35Dez. 10
Hamburg08:37Dez. 2909:37Dez. 2916:00Dez. 1317:00Dez. 13
München08:04Jan. 109:04Jan. 116:20Dez. 1017:20Dez. 10
Berlin08:17Dez. 2909:17Dez. 2915:52Dez. 1216:52Dez. 12
Wien07:45Jan. 108:45Jan. 116:00Dez. 1017:00Dez. 10

Der Preis wäre am Morgen zu zahlen. Am spätesten ginge die Sonne im Westen auf: in Aachen am 1. Januar um 9:38 Uhr, in Hamburg Ende Dezember um 9:37 Uhr und in Köln um 9:35 Uhr. In sieben der acht Städte käme der Sonnenaufgang nach 9 Uhr, nur in Wien, ganz im Osten, schon um 8:45 Uhr. Der Nutzen läge am Abend: Der früheste Sonnenuntergang des Jahres, heute in Berlin um 15:52 Uhr und in Hamburg und Wien um 16:00 Uhr, würde auf 16:52 und 17:00 Uhr rücken. In Zürich ginge die Sonne nie vor 17:35 Uhr unter.

Der Sprung beträgt hier überall genau eine Stunde, weil der späteste Sonnenaufgang bei uns schon heute mitten im Winter liegt, um den Jahreswechsel. Die Sommerzeit endet Ende Oktober und beginnt Ende März, und an beiden Terminen geht die Sonne noch früher auf als Anfang Januar.

Das ganze Jahr Winterzeit: der Sommer

StadtFrühester Sonnenaufgang des JahresSpätester Sonnenuntergang des Jahres
HeuteDauerhafte WinterzeitHeuteDauerhafte Winterzeit
Aachen05:22Juni 1604:22Juni 1621:53Juni 2420:53Juni 24
Köln05:18Juni 1604:18Juni 1621:51Juni 2420:51Juni 24
Frankfurt am Main05:15Juni 1504:15Juni 1521:39Juni 2420:39Juni 24
Zürich05:29Juni 1604:29Juni 1621:27Juni 2620:27Juni 26
Hamburg04:50Juni 1703:50Juni 1721:54Juni 2320:54Juni 23
München05:13Juni 1604:13Juni 1621:18Juni 2420:18Juni 24
Berlin04:43Juni 1603:43Juni 1621:34Juni 2320:34Juni 23
Wien04:53Juni 1603:53Juni 1620:59Juni 2519:59Juni 25

Hier liegt der Nutzen am Morgen und der Preis am Abend. In Berlin, Hamburg und Wien ginge die Sonne Mitte Juni schon vor 4 Uhr auf, in Berlin um 3:43 Uhr. Der späteste Sonnenuntergang des Jahres käme überall eine Stunde früher: in Hamburg und Aachen gegen 20:55 Uhr statt kurz vor 22 Uhr, in München um 20:18 Uhr und in Wien schon um 19:59 Uhr.

Hat man das schon ausprobiert?

Die heutige Sommerzeit gibt es in Deutschland seit 1980. Nach den Kriegsjahren hatte die Bundesrepublik lange keine Sommerzeit mehr, bis die DDR 1979 ankündigte, die Uhren im folgenden Frühjahr umzustellen, und die Bundesregierung schnell nachzog. Seit dem 6. April 1980 stellen beide Teile Deutschlands gleichzeitig um. Die Schweiz ging einen anderen Weg: Am 28. Mai 1978 lehnten die Stimmberechtigten das neue Zeitgesetz, das die Sommerzeit ermöglichen sollte, mit 52,1 Prozent Nein-Stimmen ab, vor allem auf Betreiben der Bauern. Danach war die Schweiz eine „Zeitinsel“ zwischen ihren Nachbarn, bis sie 1981 doch die Sommerzeit einführte.

2018 fragte die Europäische Kommission die Bürgerinnen und Bürger, was sie von der Zeitumstellung halten. Es gingen 4,6 Millionen Antworten ein, und 84 Prozent waren für die Abschaffung. Rund 3 Millionen dieser Antworten kamen aus Deutschland. Die Kommission schlug im September 2018 vor, die Umstellung zu beenden, und das Europäische Parlament stimmte am 26. März 2019 mit 410 zu 192 Stimmen dafür, ab 2021 nicht mehr umzustellen. Jedes Land hätte dabei selbst wählen sollen, ob es dauerhaft bei der Sommerzeit oder bei der Normalzeit bleibt.

Seitdem liegt die Entscheidung bei den Mitgliedstaaten im Rat, und dort gibt es bis heute keinen gemeinsamen Standpunkt. Der Streit geht weniger um das Ob als um das Wie: Länder im Osten neigen eher zur Sommerzeit, Länder im Westen eher zur Winterzeit, und niemand möchte einen Flickenteppich aus Zeitzonen mitten in Europa. Österreich spricht sich für eine dauerhafte Sommerzeit aus. Im Oktober 2025 brachte Spanien das Thema erneut im Rat auf, ohne Ergebnis. Die Kommission hat eine Studie zu den Folgen in Auftrag gegeben, die bis Ende 2026 vorliegen soll, und die Termine der Umstellung sind schon bis 2031 festgelegt.

Ein Blick über den Atlantik zeigt, wie so etwas ausgehen kann: Die USA führten im Januar 1974, mitten in der Energiekrise, die ganzjährige Sommerzeit ein. Sie war beliebt, als sie angekündigt wurde, und deutlich weniger beliebt, als die Kinder im Dunkeln zur Schule gingen. Noch im selben Herbst kehrte die Winterzeit zurück.

Was ist also besser?

Eigentlich sind es zwei Fragen. Für die Gesundheit empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) die dauerhafte Normalzeit, also die Winterzeit, weil sie die Uhr näher am Sonnenstand hält und Licht am Morgen bringt, wenn die innere Uhr es braucht. Für den Alltag verweisen die Befürworter der dauerhaften Sommerzeit auf die zusätzliche Stunde Licht an Winterabenden, für Sport, Freizeit und Einkäufe nach der Arbeit.

Die Zahlen zeigen vor allem eines: Es gibt keine Lösung ohne Preis. Irgendwo bekommt jemand entweder sehr dunkle Wintermorgen oder sehr frühe Sonnenaufgänge im Sommer. Der Simulator oben zeigt, was davon bei Ihnen der Fall wäre.

Und Sie, was wäre Ihnen lieber?

Zeiten berechnet mit dem Sonnenstandsalgorithmus der NOAA, wie überall auf dieser Website (siehe so rechnen wir).


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